Linke-Füße-Tage

Kennst du das? Da machst du morgens die Augen auf und schon hast du schlechte Laune. Noch bevor das erste Wort gesprochen und der erste Kaffee getrunken ist, ist der Tag schon gelaufen. Ich hasse diese Linke-Füße-Tage!

Meine Mutter hat früher dann immer zu mir gesagt: „Na, bist du wieder mit dem flaschen Fuß aufgestanden?“ Als Kind habe ich am nächsten Morgen extra darauf geachtet, dass ich dieses Mal mit dem „richtigen“ Fuß zuerst aufstehe. Für mich war der richtige Fuß der rechte. Warum weiß ich nicht genau. Vielleicht weil ich Rechtshänderin bin. Vielleicht auch, weil ich nur nach rechts aus meinem Kinderbett aufstehen konnte und deshalb der rechte Fuß zuerst den Boden berührte.

Aber auch wenn ich mit dem vermeintlich richtigen Fuß zuerst aufstand, gab es Tage, an denen einfach alles blöd war. Und das ist bis heute so. Oft hat meine schlechte Laune Gründe. Zum Beispiel, wenn Dinge, die ich für den Tag geplant habe, nicht klappen. Ihr müsst wissen, ich liebe Pläne, Listen und Strukturen. Das hilft mir duch den Tag und gibt mir Sicherheit. Und bei so richtig tollen Dingen, freue ich mich natürlich auch drauf, wenn es endlich soweit ist. Und wenn die dann nicht klappen…na ja, dann ist ganz schnell die Stimmung im Keller. Oder es stehen Dinge an, auf die ich keine Lust habe. Das kann mir auch schon mal die Laune verhageln.

Und manchmal gibt es auch Linke-Füße-Tage ganz ohne Grund. Dann kann man es mir nicht recht machen. Dann ist einfach alles blöde. Kontakte zu anderen nerven mich. Sprüche von meinem Mann ärgern mich. Die Hunderunde ist nur anstrengend und das Essen ist nicht das, auf was ich Hunger habe.

Wenn ich dann ganz tief in mich hineinhorche, dann stelle ich fest: Ich bin es selbst, die sich da gehörig auf die Nerven geht. Ich könnte nicht mal sagen, was mir in dem Moment gut tun, oder was mich glücklich machen würde. Ein Linke-Füße-Tag eben.

Im Momment merke ich, dass sich meine Linke-Füße-Tage ohne konkreten Grund häufen. Oft wache ich morgens auf und habe schlechte Laune. Einfach so. Weil gerade nichts so ist, wie normal. Weil trotz allem Neuen eben doch auch viel Alltag zu bewältigen ist. Weil ich auf manche Sachen warten muss und die Zeit nicht voran geht (z.B. die Entscheidung, ob ich Ende Mai in den Harz fahren kann oder nicht). Und weil sich zwischendurch auch manchmal echte Langeweile breit macht. (Ja, ich weiß, ich kann immer noch aufräumen, Unkraut jäten oder Fachbücher lesen – aber das WILL ich nicht!!!)

Letztens bin ich über folgenden Vers in der Bibel gestolpert:

Dies ist der Tag, den der Herr gemacht hat. Lasst uns jubeln und fröhlich sein. (Ps 118,24)

Und da frage ich mich doch: Gilt das auch für meine Linke-Füße-Tage? Kommen die auch von Gott?

Vermutlich schon. Nur warum? Warum muss ich Linke-Füße-Tage und schlechte Laune erleben? Die Antwort darauf bleibt Gott mir schuldig. Aber die Antwort auf die Frage, wie ich mit solchen Tagen umgehen soll, die steht schon da: Jubel und sei fröhlich! Zwar nicht unbedingt das, was ich normalerweise mit schlechter Laune mache. Aber vielleicht hilft es ja. Einfach mal Jubeln – auch ohne Grund. Einfach mal fröhlich Lachen, auch wenn es innendrin ganz anders aussieht. Denn die innere Einstellung verändert sich, wenn ich mich nach außen anders verhalte. Das kennst du vielleicht von der Nummer mit dem Spiegel. Stell dich bei schlechter Laune einfach mal vor einen Spiegel und lächele dich an. Mindestens 3 Minuten und du wirst merken: Deine Laune verändert sich!

Also, beim nächsten Linke-Füße-Tag ohne Grund, werd ich das ausprobieren. Einfach mal Jublen! An was schönes Denken! Fröhlich sein! Und dann wird Gott mich sicher auch durch diesen Tag begleiten. Denn schließlich hat er den Linke-Füße-Tag gemacht!

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