Tag 2 – Von Polsterberg nach Torfhaus (17 km)

Heute morgen hab ich als erstes meinen Rucksack umgepackt. Der war mir einfach zu schwer und ich hatte zu viele Dinge dabei, die ich wirklich tagsüber nicht brauche. Und dann ging es auch schon wieder los. Nach einem kurzen Rücktransport zum Wanderweg, sind Theo uns ich wieder unterwegs.

Sperberhaier Damm

Ein paar Kilometer führt uns der Weg durch einen schönen Fichtenwald und dann über den Sperberhaier Damm. Wenn ich es nicht besser wüsste, würde ich sagen, wir sind kurz vor der Küste und ich laufe über einen Deich. Aber die Fernsicht macht deutlich: Wir sind mitten im Harz!

Ich merke, dass mir das Gehen viel leichter fällt, als ich es heute morgen gedacht hätte. Scheinbar weiß mein Körper schon, dass er jetzt nicht mit Muskelkater oder Ähnlichem um die Ecke kommen muss. Einzig allein, die Blasen machen mir etwas zu schaffen. Trotzdem lässt es sich gut gehen und Theo und ich kommen schnell voran. Vor allem, weil uns der Weg nun immer am Dammgraben vorbeiführt. Das heißt zu einen: ständig Wasser in der Nähe. Und zum anderen: es geht ganz gemütlich, schön eben, ohne viel bergauf und berab. So lässt es sich wandern! 😉

Ich treffe einen Wanderer wieder, den ich gestern schon gesehen habe. Wo er wohl übernachtet hat? Und ob er auch auf dem Hexenstieg unterwegs ist? Wir grüßen einander kurz, lächeln uns an und dann ist er auch schon wieder hinter der nächsten Kurve verschwunden. Es fühl sich für mich ein bißchen wie „Kirchentag“ an – nur ohne Veranstaltungen. Denn obwohl ich ja – bis auf Theo – alleine untwegs bin, fühle ich mich nicht einsam. Es scheint da einen unsichtbaren Zusammenhalt zwischen uns Wanderen zu geben. Ohne, dass man einander kennen oder wirklich miteinander sprechen muss. Das fühlt sich gut an!

Heute lerne ich auch eine ganz entscheidene Lektion: Mach Pause, wenn dir der Platz gefällt. Es wird hinter der nächsten Ecke nicht zwingend besser! Wir sind an einem so schönen Bänkchen unter einem Baum auf einer moosbedeckten Lichtung vorbeigelaufen – nur weil ich dachte: vielleicht ist es da vorne am offiziellen Rastplatz noch schöner. War es nicht! Ich merke mir also für den Rest der Strecke: Nutz die Chance, wenn sie da ist! Und denk nicht immer, woanders ist es schöner! Hier und jetzt ist es schön genug – also genieß es!

Je näher wir Torfhaus kommen, desto mehr Leute begegnen mir auf dem Wanderweg. Manche sind, wie ich, auf Tagestour. Viele scheinen „nur“ einen ausgedehnten Spaziergang zu machen. Und obwohl ich erst den zweiten Tag unterwegs bin, wird mir klar: Ich gehe lieber da, wo wenig Leute sind. Hin und wieder mal jemanden treffen, sich kurz grüßen und dann seiner Wege gehen ist ok. Aber ständig jemandem begegnen und vielleicht noch nen kurzen Smalltalk halten (ja, man wird wirklich oft angesprochen: Ach, sammeln sie auch Stempel? Läuft der Hund die ganze Strecke? Haben wir sie nicht vorhin schon gesehen?) – das ist nicht so meins.

Hinter der Ecke wurde es richtig steil!

Kurz vor Torfhaus müssen wir dann einen Umweg gehen. Seit geraumer Zeit ist der Magdeburger Weg wegen Windbruch unpassierbar und so folgen wir der Hexe einen kleinen steilen Pfad hinunter. Wie gut, dass Theo und ich schon ein bißchen alpine Wandererfahrung haben. UND dass ich meine Stöcke dabei habe. Sonst wäre es echt schwierig geworden. Theo hingegen ist an dieser Stelle voll in seinem Element. Trittsicher sucht er sich mit seinen Pfötchen den geeigneten Weg, hält an wenn Frauchen mal wieder länger über die Steine braucht und wartet brav, bis ich ihm das Zeichen zum Weitergehen gebe.

kleiner Umweg für den Extra–Stempel

Unten angekommen wird mir klar: Da wo es runter geht, geht es auch wieder rauf. Ein schneller Blick auf die Karte zeigt mir: Nur 400 Meter weiter ist wieder ein Stempelkasten, der zwar nicht zum Hexenstieg gehört, den wir aber sonst vermutlich nie erwandern würden. Also machen wir wieder einen Extraschlenker – wer mal Wanderkaiser werden will, darf so kleine Abstecher nicht scheuen. 😉

toter Wald im Harz – bei Torfhaus

Und dann machen wir uns an den Aufstieg. Puh, da geht es ganz schön hoch. Erinnert mich an so manchen Tobelweg im Allgäu – aber wir können ja langsam machen. Und genauso machen wir das auch. Langsam, Schritt für Schritt. Zum ersten Mal nehme ich ganz bewusst, die toten Fichten um mich herum wahr. Hier im Nationalpark werden die nicht abgeholzt, sondern stehen gelassen. Das hat irgendwas Skuriles und zugleich Schönes. Seltsam, kann ich nicht richtig beschreiben…

Oben angekommen fährt uns der Bus nach Braunlage gerade vor der Nase weg. Macht nichts. Das gibt uns Gelegenheit, ein wenig Torfhaus zu erkunden und vielleicht irgendwo einen Kaffee zu trinken. Nach wenigen Schritten stehen wir vorm Hallgalli – davon hatten mir heute morgen schon Gäste in der Pension erzählt. Das Ausflugsrestaurent in Torfhaus ist vor 14 Tagen abgebrannt. Ich hatte die Überschrift damals in meinem Newsticker gesehen – aber irgendwie nicht damit gerechnet, dass ich direkt hier langkommen würde.

Brockenblick

Ein Stück weiter hat noch ein kleiner Kiosk auf. Dort gibt es für mich Kaffee und Apfelschorle (ich weiß, schräge Kombination) und für den Hund mal wieder Leckerchen und Wasser. Gemütlich sitzen wir in der Nachmittagssonne, um uns herum unzählige Biker und vor uns der Brocken. Da wollen also wir morgen rauf! Das ist die Etappe, die mir am meisten Sorgen macht. Wie steil es da wohl wird? Ich meine, wir reden immerhin vom Brocken! Als Kind bin ich da mal mit der Bahn hochgefahren – aber ich kann mich nicht mehr wirklich dran erinnern. Egal! Das ist erst morgen.

Heute geht es mit dem Bus runter nach Braunlage. Erschreckend ist, dass wir fast die ganze Zeit an den toten Fichten vorbeifahren. Das ist schon bedrückend. Wieviel Wald hier durch Trockenheit und Borkenkäfer einfach weg ist!

Im Hotel angekommen, genieße ich das schöne Zimmer und Theo seine Kuscheldecke. Wir sind ganz schön platt heute. Aber zufrieden! Die Blasen sind leider eher mehr als weniger geworden, so dass ich morgen früh erstmal noch neues Blasenpflaster in der Apotheke besorgen muss. Aber das ist morgen… und heute gehen wir erstmal schlafen!

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