Gestern Abend habe ich noch lange die Wanderkarte studiert. Offiziell hätte ich von Schierke den Pfarrsteig wieder rauf und dann in einem Bogen über Drei Annen Hohne nach Königshütte laufen sollen. Aber ganz ehrlich: Den Pfarrsteig klettere ich nicht weider rauf! Außerdem kann es nicht schaden, einige der heute anstehenden 23 Kilometer abzukürzen.
Die Dame in der Pension empfahl mir, durchs Elendstal nach Elend zu laufen und von da nach Königshütte. Und genauso mache ich das! Ich bin von mir selbst bzw. meinem Körper überrascht. Nachdem ich gestern Abend sogar mit dem Gedanken an einen Pausetag gespielt habe, bin ich heute morgen realtiv fit und guter Laune. Den Füßen geht es nach ausreichend Schlaf auch besser, so dass ich sogar wieder in meinen Wanderschuhen unterwegs bin. Und wenn man nicht ständig über die Blasen nachdenkt, dann tun sie auch gar nicht mehr so doll weh 😉

Kurz bevor wir Schierke verlassen, finden wir zufällig noch einen Sonderstempel auf dem Weg. Der bringt uns zwar nichts für unser Wanderabzeichen, ist aber trotzdem ne tolle Erinnerung.

Der Weg nach Elend ist wirklich schön. Wir laufen unter deinem grünen Blätterdach, bei angenehmen Temperaturen an der kalten Bode entlang. Es geht immer leicht bergab und wir kommen echt gut voran. In Elend kommen wir an der kleinsten Holzkirche Deutschlands vorbei. Schick sieht die aus – aber um einen Blick reinzuwerfen fehlt uns die Lust.

Hinter Elend kommen wir wieder auf den Harzer Hexenstieg – allerdings auf die Brockenumgehung. Auch hier sparen wir uns den ein oder anderen Schlenker – man muss ja auch nicht alles mitmachen 😉 – und schwups sind wir auch schon am Königshütter Wasserfall und damit wieder auf unserem eigentlich Weg. Bis hierher ging es superschnell – jedenfalls gefühlt. Und es hat wirklich Spaß gemacht.

Der Weg führt uns jetzt direkt durch Königshütte und damit auch wieder mehr in Regionen, in denen auch andere wandernd und spazierend unterwegs sind. Kurz hinter Königshütte geht es bergauf und eigentlich würden wir jetzt wieder im Wald laufen. Eigentlich. Denn in Wirklichkeit ist der Wald nicht mehr da! Hier führt nur noch eine Schotterstraße durch eine abgeholzte Brachfläche. Und es gibt weit und breit nichts zu sehen. Nur alle paar 100 Meter riesige Baumstammstapel am Wegrand. Richtig gruselig. Irgendwer hat mir unterwegs erzählt, dass das ganze Holz nach Asien verkauft wird. Da bekommen sie für das Holz wenigstens überhaupt noch etwas Geld. Auch wenn das nicht kostendeckend ist. Hier ist der Holzpreis so kaputt, dass man es besser einfach im Wald lassen kann, als es mit viel Aufwand da rauszuholen. Verrückte Welt!
Weil hier kaum noch ein Baum steht, sind die Pausenplätze echt rar. Theo und ich nutzen einen der wenigen Abschnitte, wo wenigstens noch ein paar Tannen stehen für eine Pause. Aber schön ist es hier nicht. Und wir sind auch schon wieder so lange in dieser trostlosen Landschaft unterwegs, dass es uns auf die Stimmung schlägt. Na ja, vermutlich eher mir. Denn Theo läuft einfach immer weiter. Zwischendurch ein Leckerchen und ein paar Streicheleinheiten und dann ist die Welt für ihn in Ordnung.

Irgendwann erreichen wir die Rappbodevorsperre. Mittlerweile ist es richtig düster geworden. Passt zur Stimmung! Immerhin gibt es hier die nächsten Stempel. Auf der anderen Seite führt uns der Weg wieder hoch hinauf und belohnt uns mit einem tollen Ausblick. Dummerweise fehlt hier leider ein Wegweiser, so dass Theo und ich ein bisschen über die Anhöhe irren. Schließlich finden wir den Pfad, der uns über Wurzeln und Steine den Hang hinunterführt. Unten kommen wir wieder auf eine Schotterstraße und ich werde das Gefühl nicht los, dass – wenn wir vorhin nicht abgebgen wären – wir wesentlich schneller an der gleichen Stelle rausgekommen wären. Aber gut, das ist nun nicht mehr zu ändern.
Mittlerweile sind wir seit fast 7 Stunden unterwegs – deutlich länger als an den anderen Tagen. Ich merke: Ich hab keine Lust mehr – und Theo auch nicht. Immer öfter will er am Wegrand rumschnuppern. Aber es hilft ja nichts. Wir müssen noch bis Hasselfelde. Denn hier im Wald können wir nicht bleiben.
Am Ausgang des Waldes wartet dann noch ein kleines Abendteuer auf uns. Mitten auf dem Weg steht ein riesiger LKW, der die dicken Holzstämme am Straßenrand umschichtet. Es sieht nicht so aus, als kämen wir da vorbei. Theo hat mächtig Respekt vor dem Krachmacher und drückt sich ganz nah an mein Bein. Der LKW-Fahrer hört netterweise für uns kurz mit dem Umschichten auf und zeigt uns, wie wir sicher an ihm und seinem „Monstergefährt“ vorbei kommen.

Mitten in Hasselfelde steht unsere heutige Unterkunft. Und natürlich sind auch unsere Koffer schon längst da, als wir endlich ankommen. Wie gut eine Dusche tut, wenn man (fast) den ganzen Tag über staubige Schotterwege gelaufen ist! Zu meiner eigenen Überraschung bin ich heute Abend längst nicht so ko, wie gestern. Auch Theo ist – trotz der langen Strecke – erstaunlich gut drauf. Sogar für eine kurze Spiel- und Raufrunde ist er heute noch zu haben. Gut, dass er dabei ist, denn ohne ihn hätte ich bestimmt schon längst aufgegeben.


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