2. Juni – Abreise und eure Fragen

Die Abreise aus Thale ist ziemlich unspektakulär. Ein Mitarbeiter von Wandern-im-Harz ist heute morgen nach dem Frühstück mit einem Bulli vorgefahren und hat Theo und mich eingeladen. Dann ging es ca. 90 Minuten zurück nach Osterode, wo ja unser Auto stand. Irgendwie ernüchternd, wenn man das, was man eine Woche lang mühsam gewandert ist, innerhalb von so kurzer Zeit mit dem Auto zurücklegen kann. Aber: Der Weg ist ja bekanntlich das Ziel! Von Osterode sind Theo und ich dann – müde aber glücklich – Richtung Heimat gefahren.

Zu Hause erinnern uns jetzt unsere Wanderurkunden an unser kleines, großes Abendteuer. Außerdem hab ich mir in der Pension in Treseburg eine Postkarte gekauft, die zusammen mit der Wandernadel (ihr wisst schon, dafür haben wir die ganzen Stempel gesammelt) einen Ehrenplatz in meinem Arbeitszimmer bekommen hat.

Diese paar Zeilen wären kein eigenen Beitrag wert – aber ich hab einige Fragen von euch – während der Wanderung und auch danach – bekommen, die ich noch beantworten will 🙂

Bist du ganz alleine unterwegs?

Ja und nein. Ich bin mit Theo unterwegs und mit dem ist man ja nie so ganz alleine. Aber ja, ich bin die Strecke ohne weitere Begleitpersonen gegangen. Das war schön und blöd gleichzeitig. Schön, weil ich mein eigenes Tempo gehen konnte. Bei Wanderungen mit meinem Mann oder gar in einer Gruppe merke ich schnell, dass ich irgendwie einen anderen Rhythmus habe als meine Mitwanderer. Da hab ich es jetzt richtig genossen, alleine zu bestimmen, wie schnell ich gehe und wann es Zeit für ne Pause ist. Auf der anderen Seite waren die Pausen dann doch ein wenig langweilig. Da hätte ich gerne jemanden zum Quatschen gehabt. Aber Theo ist ja auch nen prima Zuhörer 😉

Hast du sowas schon mal gemacht? Und wie kommt man auf so eine Idee?

Nein, das hab ich bisher noch nie gemacht. Es war meine erste Streckenwanderung und ich wollte das unbedingt mal ausprobieren. Die Idee ist letzten Herbst im Wanderurlaub in Oberstdorf entstanden. Da dachte ich aber noch, ich würde für den Anfang ein bißchen durch die Lüneburger Heide gehen. Warum und wieso es dann doch der Harz wurde, weiß ich nicht mehr genau.

Da ich bei Fernwanderungen aber noch gar keine Erfahrung hatte, habe ich die Reise als „Pauschalurlaub“ gebucht. Wandern-im-Harz bietet für den Harzer Hexenstieg verschiedene Pakete mit unterschiedlicher Länge an. Es ist tatsächlich möglich, die komplette Strecke in 4 Etappen zu wanderen. Ich war 6 Wandertage unterwegs und mir haben die Tageskilometer mehr als gereicht. An Sonsten wurde alles für mich organisiert. Ich habe nur den Starttag angegeben. Alle Unterkünfte, Busverbindungen, usw. wurden vom Reiseanbieter rausgesucht und gebucht. Außerdem wurde ich mit allen wichtigen Infos, einer detailierten Wegbeschreibung sowie einer Wanderkarte ausgestattet. Mein Gepäck wurde von Hotel zu Hotel transportiert, so dass ich wirklich nur mit einem Tagesrucksack unterwegs war. Und – für mich sehr hilfreich – ich hatte eine Notfallnummer, die ich jederzeit anrufen konnte. Wenn ich wirklich nicht mehr weitergekommen wäre, hätten sie mich abgeholt. Ich hab das nicht gebraucht – aber zu wissen, dass es einen Notfallplan gegeben hätte, hat mir echt gut getan. 🙂

Wieso hattest du so Schwierigkeiten mit Blasen? Hast du dich darauf nicht vorbereitet?

Gute Frage. Klar hab ich mich vorbereitet. Ich hab mich sogar extra schlau gemacht, auf was ich achten muss (eingelaufene Schuhe, trockene und geeignete Wandersocken, etc.) In einem Outdoor-Video hat jemand Hirschtalg-Creme für die Füße empfohlen – hab ich auch gemacht. Ganz ehrlich: Ich weiß nicht, woran es lag! So extrem habe ich aber auch noch nie Probleme mit Blasen gehabt. Vermutlich gibt es ganz viele verschiedene Tipps und jeder muss den für sich Besten erstmal rausfinden. So, wie ich es jetzt gemacht habe, war es auf jeden Fall nicht die beste Lösung für mich. Beim nächsten Mal versuche ich was anderes. Aber zu eurer Beruhigung: Mittlerweile ist alles wieder abgeheilt und ok. Es wird keine bleibenden Schäden geben 😉

Ist der Hund die ganze Strecke gelaufen?

Ja, Theo ist die ganze Strecke gelaufen! Es gab mal einen ganz kurzes Stück, wo ich ihn getragen habe – aber davon erzählt er euch sicher demnächst selber noch 😉 Mein Notfallplan für ihn, wäre mein Rucksack gewesen. Wenn er unterwegs schlapp gemacht hätte, hätte ich ihn erstmal da reingepackt und dann hätten wir weitergesehen. Aber es hat ja – Gott sei Dank – alles geklappt. Für ihn war immer nur wichtig, dass er dabei ist und dass es zwischendrin Leckerchen gibt 😀

Was hast du denn an Ausrüstung dabei? Kannst du mir ein paar Tipps geben?

Hm, Tipps zur Ausrüstung finde ich schwierig, weil jeder selbst ausprobieren muss, was zu ihm oder ihr passt. Aber ich kann mal erzählen, was mich auf der Wanderung begleitet hat und was ich nicht hätte missen wollen.

Wichtig für unterwegs waren für mich vor allem meine Trekking-Stöcke. Das hab ich zwischendrin glaub ich auch schon mal erzählt. Mir helfen die enorm beim Gehen, vor allem wenn es steil bergauf oder bergab geht. Ich weiß, dass es dazu 100 verschiedene Meinungen und Studien gibt. Manche sagen, dass die Verletzungsgefahr durch die Stöcke steigt, weil man sich zu sehr darauf abstützt. Und je mehr man sie benutzt, desto mehr verliert man das Gefühl für das Gleichgewicht. Ja, ich glaube, gerade an letzterem ist was dran. Auf der anderen Seite komme ich mit Stöckern wesentlich besser voran. Und ich finde das Laufen längst nicht so anstrengend. Letzten Endes ist es – glaube ich – Geschmackssache. Ich war jedenfalls froh, meine Stöcke dabei zu haben.

Was ist auch dabei hatte, war mein eigenes Kopfkissen. Ich schlafe eh schon schlecht in fremden Betten und wenn dann das Kissen auch noch so ein Riesenteil mit Federfüllung ist, wache ich morgens immer mit Kopfweh auf. Deshalb hab ich mir den Luxus gegönnt und mein eigenes Kissen mitgenommen. Das hat meinen Koffer zwar manchmal an den Rand des Platzens gebracht, aber ich hab mich jeden Abend drüber gefreut. 🙂

Leute, die mich kennen, wissen: Ich hasse es, aus dem Koffer zu leben! Selbst wenn ich nur für eine Übernachtung irgendwo bin, packe ich meinen Sachen immer aus. Mir war allerdings von Anfang an klar, dass das auf der Harztour so nicht funktionieren würden. Also hab ich mir Packtaschen besorgt. Genauer gesagt, besorgen lassen. Danke nochmal an meinen lieben Mann für das Geburtstagsgeschenk. Damit hat das super geklappt. Ich hatte je eine Tasche für Shirts, Pullover, Hosen, Socken und Unterwäsche. Damit war immer alles im Koffer an seinem Platz und nix flog durcheinander. Und ab dem 3. Tag war ich mit meiner Kofferordnung schon so routiniert, dass ich auch nicht mehr ewig suchen brauchte.

Das sind glaub ich, so die wichtigsten Dinge. Theo hatte seinen eigenen Koffer mit Decken, Schlafsäckchen und Essen. Ich hatte für mich für unterwegs noch ein paar Energieriegel eingepackt und meine Trinkblase ist eh immer im Rucksack dabei. Da ich aber jeden Morgen mit einem leckeren Lunchpaket ausgestattet wurde, wäre ich sicher auch ohne eigenen Proviant ausgekommen. Aber mit war es natürlich schöner 😉

Würdest du so eine Wanderung nochmal machen?

Ja, vermutlich schon. Vielleicht nicht nochmal die gleiche Strecke – und wenn, dann würde ich den Abstecher über den Brocken auslassen (ist zwar nett, sagen zu können: ich bin schon mal auf den Brocken gewandert; aber da gab es wesentlich schönere Abschnitte abseits der Touristenströme). Mittlerweile bin ich ja schon wieder 4 Wochen zu Hause und ich ertappe mich immer wieder dabei, wie ich so Sachen google, wie: „Die schönsten Streckenwanderungen in Deutschland“ oder „Deutschlands Fernwanderwege“. Also: sieht so aus, als würde ich das tatsächlich nochmal machen. Verrückt oder? – Und wenn, nehme ich euch wieder mit 🙂

2 Antworten auf „2. Juni – Abreise und eure Fragen

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  1. Sehr interessant, deine Berichte über euer Abenteuer im Harz! Aber ich finde es ein wenig schade, dass ihr zwischendurch mit dem Bus und mit dem Auto fahren musstet. An so einer Mehtageswanderung finde ich es immer total schön, einfach mal ein paar Tage fernab von all dem zu sein … Gibt es denn nicht genug Unterkünfte direkt am Hexenstieg, damit man das vermeiden kann? Ganz liebe Grüße und ich bin schon gespannt, wo es als nächstes hingeht 😉 Andrea

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  2. Ich wäre auch lieber direkt zu den Unterkünften gewandert. Allerdings gibt es gerade von Osterode bis Königshütte kaum nennenswerte Orte direkt am Hexenstieg. Es liegt immer alles etwas Abseits. Vielleicht lag es auch daran, dass ich den Hund dabei hatte oder dass es die Woche vor bzw. über Pfingsten war. Meistens war es aber gar nicht so wild. Nur als ich von Torfhaus mit dem Bus nach Braunlage (und nächsten Morgen wieder) musste, was es etwas nervig. 😉

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