Heute habe ich etwas gemacht, was ich schon seit Wochen bzw. Monaten nicht mehr gemacht habe….ich habe Gesichtsmasken genäht! Diese Mund-Nase-Dinger, Behelfs- und Alltagsmasken, oder wir man die Teile sonst noch nennt.
Heute waren sie für das Technik-Team von Kirche.plus, deren Bestand über die letzten Wochen auf wundersame Weise geschrumpft ist 😉 Und ich musste doch tatsächlich nochmal die Anleitung lesen, denn so ganz genau hatte ich die einzelnen Arbeitsschritte nicht mehr im Kopf.
Vor 3 Monaten wäre mir das nicht passiert. Da konnte ich die Masken im Schlaf. Spätestens alle 2 Tage saß ich an der Nähmaschiene und fertigte Masken für die Techniker, für uns privat, für Freunde und Bekannte. Aber jetzt? Jetzt scheint jeder mehr als genug Masken zu haben und der Bedarf ist längst nicht mehr so groß wie noch zu Corona-Hochzeiten.
Überhaupt hab ich das Gefühl, das Corona mittlerweile viel weiter weg und somit nicht mehr so bedrohlich ist. Mein Leben geht fast wieder seinen geregelten Gang. Gottesdienste finden wieder statt, mein Sportstudio hat wieder offen und auch sonst scheint alles mehr oder minder wieder „normal“ zu sein. Gut, beim Einkaufen trage ich jetzt eine Maske und ja, ich wasche mir regelmäßig die Hände, achte auf Abstände und die Niesetikette. Aber sonst? Sonst merk ich gerade nicht mehr viel von der Pandemie und ihren Einschränkungen.
Gott sei Dank! – auf der einen Seite. Denn es ist auch schön, wieder halbwegs normal durch den Tag zu gehen. Auf der anderen Seite finde ich es auch gruselig. Denn nur weil wir mehr zu Normalität zurückkehren, ist Corona ja nicht einfach weg.
Ich merke, wie ich selbst nicht mehr so oft daran denke. Wie ich unbedarfter und vielleicht auch unvorsichtiger im Umgang mit anderen werde. Und natürlich starten auch wir demnächst in unseren lang geplanten Sommerurlaub nach Frankreich. Warum auch nicht?
Und dann treff ich wieder jemanden, der nicht so sorglos damit umgeht. Jemanden, dessen Angst vor der Ansteckung riesig ist. Der kaum aus dem Haus geht. Der es unverantwortlich findet, dass jetzt alle in die Ferien fahren.
Oder ich lese einen der Berichte über die Spätfolgen von COVID19 und dass die Medizin nur ein ganz vage Vorstellung davon hat, was der Virus tatsächlich in einem Körper anrichtet. Ich höre von Hochrechnungen über einen zweite Welle, über neue Infektionsherde und die langfristigen Pläne der Regierung bis endlich ein Impfstoff gefunden ist.
Und dann ist alles plötzlich wieder ganz nah. Die Angst, die Sorgen und die Fragen. Haben die alle Recht? Ist es wirklich unverantwortlich in Urlaub zu fahren? Muss ich doch noch ganz besonders vorsichtig im Umgang mit anderen sein? Sollte ich wieder mehr Masken nähen?
Ich bin hin und her gerissen – und das macht es gerade ziemlich anstrengend. Corona ist nicht mehr das alles-bestimmende Thema und doch darf man den Virus nicht unterschätzen. Nur weil ich weniger davon mitbekomme, heißt es ja nicht, dass alles wieder beim Alten ist. Daran muss ich mich immer wieder erinnern. Und gleichzeitig versuche ich, meinen Alltag so gut es geht zu meistern. Mich von Statistiken, Hochrechnungen und der Meinung der anderen nicht wahnsinnig machen zu lassen. Denn wer weiß, wie lange das Ganze noch dauert – und panisch in der Ecke sitzen ist für mich keine Lösung. Also werd ich wohl noch ein paar Masken nähen – nur zur Sicherheit. Damit ich nicht vergesse, dass im Moment zwar schon vieles besser, aber eben noch lange nicht wieder beim Alten ist.
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