Ich bin aufgeregt, als ich die Kirche betrete. Ein paar Leute sind schon da. Wer von denen wohl der Bräutigam ist? Auf den ersten Blick kann ich ihn nicht erkennen. Die anwesenden Herren tragen alle schicke Anzüge und keiner von ihnen ist äußerlich wirklich als Bräutigam erkennbar. Wenn die Braut schon da wäre, wäre es sicher einfacher…
Mutig gehe ich auf die kleine Gruppe vorne im Altarraum zu. „Guten Morgen, sind Sie zufällig der Bäutigam?“ „Nein, ich nicht, aber er hier!“ werde ich an den nächsten Herrn weiterverwiesen.
„Aha“, denke ich. „Das is´er also.“ Seine Stimme kommt mir vertraut vor – wir haben gestern kurz telefoniert. Es ist eine wirklich skurile Situation. Für ihn, wie für mich. Denn normalerweise begleite ich meine Brautpaare über mehrere Monate. Treffe mich mit ihnen, bespreche Abläufe und Wünsche, berate sie in Sachen Sitzplan, Blumenstreuen, anschließender Sektempfang usw. Heute ist das anders. Denn ich habe weder den Bräutigam noch die Braut jemals zuvor im Leben gesehen. Und das kam so:
Vor 2 Tagen bekam ich einen Anruf. Der Kollege aus der Nachbargemeinde war dran. „Daniela, ich hab schlechte Nachrichten. Ich bin in Quarantäne. Nur vorsorglich. Aber ich darf halt erstmal nicht raus. Und Samstagmorgen habe ich ne Trauung. Ich hab schon alles vorbereitet. Ablauf, Lieder, Gebete, Predigt – alles ist fertig. Ich brauch nur noch jemanden, der für mich hingeht. Könntest du?“
Ja, ich kann. Schnell schickt er per Mail sein Manuskirpt sowie Namen und Telefonnummer des Brautpaares. Am Donnterstagabend habe ich dort angerufen. Ein nettes Paar. Man hört ihnen die Erleichterung deutlich an. Denn bis gerade waren sie davon ausgegangen, dass sie ihr Fest absagen müssten. Wir besprechen kurz die wichtigesten Dinge für den Ablauf. Gibt es Blumenkinder? Habt ihr Brautführer? Wie ist das mit den Masken im Gottesdienst? Ja, es kommt ein Foto- und Videoteam. Für ein wirkliches Kennenlernen bleibt auch jetzt keine Zeit. Aber ich hab ja die ausformulierte Predigt des Kollegen. Daraus krieg ich wenigstens noch mit, wie lange sie schon zusammen sind, und welche Vorlieben und Hobbys sie haben. Das war´s. Mehr Informationen habe ich nicht. Und mehr Infos bekomme ich auch nicht mehr.
Heute morgen war es dann soweit. Ich habe ein junges Paar getraut, dass ich nie im Leben zuvor gesehen habe. Wie es war? Schön war es! Und intensiv und romatisch. Denn auch, wenn ich die Beiden nicht kannte – mein Kollege kennt sie gut. Hat eine sehr persönliche Perdigt für die Beiden geschrieben. Und ja, es ist komisch, wenn ich seine Worte vortrage. Und es sorgt an so mancher Stelle für echte Lacher. Aber es ist auch spannend und aufregend – für beide Seiten. Und gemeinsam haben wir das echt gut hinbekommen. Denn was wirklich zählt, sind ja nicht die Worte, die ich oder der Kollege sagen, sondern dass Gott uns in diesem Momenten begleitet. Dass er mitgeht – egal wie skuril die Sitaution auch ist. Und dass er seinen Segen auf die Beiden und ihre Ehe legt.
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