Happy Jahrestag?!

Heute ist es genau ein Jahr her. Vor einem Jahr saß ich auch den ganzen Tag an meinem Schreibtisch, nur hab ich da noch keine Blogbeiträge geschrieben. Nein, heute vor einem Jahr hab ich den ganzen Tag telefoniert. Denn zwei Tage später sollte eigentlich der Vorstellungsgottesdienst meiner Konfirmanden starten. Alles war vorbereitet. Die Predigt geschrieben, die Taufurkunden unterschrieben und gesiegelt. Die Aufregung bei den Konfis stieg. Aber ihren Vorstellungsgottesdienst haben wir nie gefeiert. Denn am Abend des 13. März kam der erste Lockdown. Und plötzlich hieß es: Nichts geht mehr! Kein Gottesdienst, keine Taufen, keine Feier.

Ich weiß noch, wie hilflos ich mich an dem Abend gefühlt habe. Irgendwie war das so unwirklich. Sollte ich denn jetzt wirklich gar nichts mehr machen? Die ersten Tage „danach“ waren lähmend. Ich fühlte mich wie bei voller Fahrt aus der Bahn geworfen. Erst nach und nach kam meine Seele im Lockdown an. Ich musste in diese Zeit hineinwachsen. Mich mit ihr anfreunden.

Heute – ein Jahr später – gucke ich auf dieses „Lockdownjahr“ zurück. Vieles hat sich verändert. Die Dinge die ich als Pfarrerin tue, haben sich verändert. Manches hat seit einem Jahr nicht stattgefunden. Anderes haben wir unter Regeln und mit strengen Auflagen gemacht. Gottesdienste habe ich in dem Jahr online und manchmal auch vor Ort mit Abstand gefeiert. Viele Veranstaltungen sind verschoben worden und manche Aktionen, wie unser „Häng deinen Wunsch an den Weihnachtsbaum“-Heilig Abend hätten ohne Corona nie stattgefunden.

Aber nicht nur meine Arbeit – nein, auch ich selbst habe mich verändert. Ich plane Dinge jetzt kurzfristiger – schließlich weiß ich nicht, was in 8 Wochen geht oder nicht. Ich versuche die Momente zu nutzen und auszukosten, in denen vielleicht auch gerade etwas nicht geht wie geplant. Manchmal gelingt es mir richtig gut, mich auf dieses „neue Normal“ einstellen. Es einfach auf mich zu kommen zu lassen. Aber eben nicht immer. Manchmal bin ich auch einfach nur ungedulig, frustiert, enttäuscht, unzufrieden. Oft ohne konkreten Grund. Auch das gehört dazu.

Und? War dieses Jahr nur schlecht? Es war auf jeden Fall anders! Und ich habe eine Menge gelernt. Zum Beispiel, wie man Videokonferenzen macht. Wie man eine Hompage oder einen Youtube-Kanal aufbaut. Wie kurz Predigten für Online-Gottesdienste sein müssen und dass Talare mich in der Kamera wie ein schwazer Fels aussehen lassen. Wie schön Beerdigungen unter freiem Himmel sind. Dass Senioren bei jedem Wetter ihrem Garten auf Vordermann bringen – aber gerne die Harke für einen Plausch über den Gartenzaun zur Seite legen. Dass unser Hund nicht immer Lust auf lange Spaziergänge hat oder es einem peinlich sein kann, dringend Klopapier kaufen zu müssen. Dass ein HulaHoop-Reifen nicht nur was für Kinder ist und dass insgesamt oft mehr geht, als ich denke.

Möchte ich, dass es jetzt endlich wieder so wird, wie vor einem Jahr? Auf keinen Fall. Denn vieles, was ich in den letzten 12 Monaten erlebt habe, möchte ich wirklich nicht missen. Ich will nicht, dass alles so ist wie vorher. Aber ein bißchen mehr Normalität wäre schön. Einkaufen gehen und eine Pause im Café machen. Freunde treffen und in Urlaub fahren – wann und wie ich will. Aktionen und Projekte für die Arbeit planen und auch genauso, zu genau dem Zeitpunkt durchführen – ja, das wäre wirklich toll. Und ich weiß: Irgendwann wird das auch wieder möglich sein. Ich brauch nur noch ein bißchen Geduld. Ich freu´mich schon drauf!

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