Wenn deine Welt plötzlich am Gartenzaun endet

Jetzt ist es auch bei mir angekommen – Corona. Trotz boostern, Maske tragen und regelmäßigen Tests waren letzten Samstag plötzlich die ersten Symptome da. Ein Kratzen im Hals, bißchen aus der Puste, als ich mit dem Hund bergauf unterwegs war und so ein seltsames Gefühl beim Luftholen. Über Nacht kam dann noch ein leichter Husten hinzu.

Mein Selbsttest am Sonntagmorgen war allerdings negativ. Damit hätte ich den Familiengottesdienst problemlos feiern können – jedenfalls nach den aktuellen Corona-Regeln. Doch mein Gefühl sagte da schon: Sei lieber vorsichtig. Das fühlt sich anders an als ne „normale“ Erkältung.

Also bin ich zum PCR-Test gefahren, während mein Team den Gottesdienst ohne mich gefeiert hat. Das hat übrigens grandios geklappt. Die Mädels sind über sich hinausgewachsen und haben sich richtig was zugetraut. Chapeau! Alle, mit denen ich gesprochen habe, waren begeistert. Und was lernen wir Pfarrer*innen daraus? Es geht auch super ohne uns. Man muss nur eben auch mal Dinge abgeben! 😉

Aber zurück zu mir: Das Ergebnis vom PCR-Test war dann deutlich positiv. Hohe Virenlast! Was mich auch gar nicht mehr gewundert hat, denn meine Symptome wurden stärker. Husten, Schnupfen, Halsweh. Und natürlich schlapp. Aber: ich habe echtes Glück. Denn mir geht es nicht grundlegend schlecht. Ich kann aufstehen, im Haus rumlaufen, Blog-Beiträge schreiben… Ja, es ist nicht schön und ich muss es ein bißchen langsamer angehen lassen als sonst. Aber es könnte alles viel schlimmer sein.

Was mich ärgert? Eigentlich wäre ich diese Woche auf Fortbildung gefahren. Der letzte Kurs für meine Ausbildung zur Gemeindeberaterin. Das anstehende Thema – Die eigene Rolle als Beraterin! – hätte mich wirklich interessiert. Und am Ende der Woche gibt es ein festliches Buffet – quasi die Abschlussfeier… Aber was willste machen? Mit positviem Test konnte ich da natürlich nicht hin.

Und jetzt sitze ich hier zu Hause. In Quarantäne. Entweder bequem auf meinem Sofa oder auf der Terrasse in der Sonne. Gott sei dank ist das Wetter gerade ganz gut. Und ich hab Zeit. Für die Romane, die ich vor Ewigkeitszeiten mal angefangen habe. Für die Dinge, die ich schon länger mal recherchieren und erledigen wollte. Und natürlich für mich und meine Symptome (die langsam auch schon wieder besser werden).

Meine Welt endet gerade am Zaun unseres Gartens. Denn weiter darf ich ja nicht. Das ist eigentlich auch nicht schlimm, denn wie gesagt: Im Großen und Ganzen geht es mir gut. Aber ein komisches Gefühl ist es doch. Da draußen sehe ich die Welt, wie sie sich weiter dreht. Und ist stehe im Garten und gucke aus der Ferne zu. Vor allem aber hoffe ich, dass ich in den Tagen vorher niemanden mehr angesteckt habe. Auch wenn ich weiß, dass ich mich nach besten Wissen und Gewissen verhalten habe, leid täte es mir trotzdem.

Und gleichzeitig gibt es soviele Dinge, für die ich echt dankbar bin:

  • für Astrid, die spontan meine Konfigruppe übernimmt und so deren Vorstellungsgottesdienst möglich macht.
  • für meinen Mann, der mich auch in den Schlechte-Laune-Phasen aushält und mit mir nun gemeinsam in Quarantäne sitzt.
  • für die Menschen aus Familie und Gemeinde, die ihre Hilfe angeboten, für uns eingekauft und den Hund zum Spaziergang abgeholt haben (Hunde müssen nämlich nicht in Quarantäne)
  • für den Haustür-Lieferdienst der Apotheke.
  • für Internet und Social Media, die mich zumindest virtuell in die Welt hinter den Gartenzaun lassen.
  • für Gott, der auch in diese Situation seine Hand über mich Hält

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