Tag 2 – Liebethaler Grund bis Wehlen (12km)

Als ich heute morgen wach wurde, konnte ich es schon hören. Es regnet und zwar nicht zu knapp. Der Blick aus dem Fenster verheißt nichts Gutes. Dunkle Wolken und intensiver Dauerregen machen mich unruhig. Bei dem Wetter sollen wir wirklich wandern? Ich meine: Ich kann mir ja noch ne Regenjacke anziehen, aber Theo? Der ist doch schon nach 100 Metern nass bis aufs Unterfell! Unser bisherigen Wanderabenteuer waren immer bei guten Wetter. Natürlich schien da auch nicht ständig die Sonne, aber immerhin war es trocken.

Und jetzt? Warten können wir nicht. Heute liegt mit 12 Kilometern die Einstiegsetappe vor uns und wir müssen heute Abend in der Stadt Wehlen sein. Da steht heute unser Bettchen. Also: Rein in Regenhose und Regenjacke und los geht´s. So richtig überzeugt von unserem Plan bin ich noch nicht. Ich mache mir Sorgen. Ob das gut geht? Was ist, wenn Theo nicht mehr weiter will? Fragen über Fragen. Ich bin so in Gedanken, dass ich sogar vergesse die Rechnung im Hotel zu bezahlen, bevor ich auschecke. Peinlich! Gott sei Dank kommen wir hier in 8 Tagen wieder an, so dass sich mit einem Telefonat von unterwegs problemlos klären lässt, dass wir die Rechnung einfach am Ende begleichen.

Jetzt geht es erstmal im strömenden Regen zum Busbahnhof. Das ist gar nicht weit. Ca. 15 Minunten zu Fuß. Aber bis wir da sind, sind wir natürlich schon pitsch-nass. Gut, dass es im Bus warm und trocken ist und Theo Busfahren liebt. Außerdem ist er die Attraktion im Bus und die anderen Reisenden sprechen ihn mitleidig an: Ach, du Armer. Bei dem Wetter schickt dich dein Frauchen vor die Tür? Na, so ein Hundeleben, was?! Theo findet es natürlich super, dass sich jemand um ihn kümmert. Sein Rabenfrauchen will ja nur, dass er wandert. Aber die nette junge Frau mit dem großen Rucksack und die beiden Freundinnen, die gemeinsam den Malerweg laufen, die verstehen ihn. Was ein Glück!

Nach einer halben Stunde fahrt sind wir dann auch endlich da. Der Liebthaler Grund etwas nördlich von Prina ist der offizielle Startpunkt vom Malerweg. Der Regen hat etwas nachgelassen und Theo und ich machen uns nun also tatsächlich auf den Weg. Erstmal ganz entspannt und gemächlich an einem Bach entlang. Schon bald taucht vor uns das bekannte Wagner-Denkmal auf, an dem wir einen Auszug aus Lohengrin hören können. Waurm das hier mitten im Wald steht? Weil der große Richard Wagner früher auch hier durch die Wälder gestapft ist. Er suche Ruhe und Erholung, damit er wieder zu kreativen Kräften kam. Nicht schlecht – wenn´s bei ihm geklappt hat, dann vielleicht ja auch bei mir 😉

Vorbei durch kleine Örtchen und über Wiesen führt uns der Malerweg ziemlich abwechslungsreich über Stock und Stein. Die junge Frau aus dem Bus ist schon über alle Berge, aber die beiden Freundinnen laufen uns immer wieder über den Weg. Hach, es könnte eine wirklich schöne Etappe sein, wenn es nur nicht so nass überall wäre. Der Regen hat zwar inzwischen aufgehört, aber irgendwo hinsetzen und ausgiebig Pause machen, dass ist bei der Nässe einfach nicht drin. Also rasten Theo und ich nur kurz im Stehen und wandern dann zügig weiter.

Plötzlich befinden wir uns in einer Schlucht. Rechts und links ragen imposante Felsen hervor und rund um uns herum ist es modrig, feucht und dunkel. Wenn ich es nicht besser wüsste, würde ich sagen: Entweder begegen wir gleich Harry Potter auf seinem Besen oder wir erreichen Mordor. Doch weder das Eine noch das Andere passiert. Dafür wir kommen zu einem touristischen Highlight, dem Uttewalder Felsentor. Da, wo es besodners eng ist, wo rechts und links wirklich kaum Platz neben dem Weg bleibt, da schweben 3 Felsbrocken quer über den Weg und bilden ein Tor, durch das es nur gebückt weiter geht. Theo findet es mittlerweile super hier. Schließlich gibt es viel zu schnüffeln und zu entdecken. Und direkt hinter dem Felsentor ergibt sich dann auch endlich die Möglichkeit für eine längere Rast. Vor der geschlossenen Gaststätte sitzten unter einem Pavillion die beiden Freundinnen, die wir schon aus dem Bus kennen. Also setzen wir uns dazu und ich erfahre, das Kerstin und Heike (so heißen die Beiden) auch heute auf den Malerweg gestartet sind. Allerdings werden sie nur die „Hinstrecke“, also rechtselbisch bis Schmilka laufen. Theo ist das egal. Hauptsache es gibt Leckerchen und Streicheleinheiten.

Nach der Rast geht es dann alles ganz schnell. Noch kurz den Waldweg hinuntner und schwupps stehen wir auch schon auf dem Marktplatz von Wehlen, unserem heutigen Etappenziel. Es ist gerade mal halb 3 am Nachmittag. Das ging wirklich fix. Wir übernachten heute in der Villa Sophie, einer Frühstückspension mit einfachen aber zweckmäßig eingerichteten Zimmern. Mir ist es egal – Hauptsache raus aus den nassen Klamotten, den Hund trocken legen und dann erstmal Duschen und ein bisschen schlafen.

Am späten Nachmittag wagen wir nochmal eine Runde durch den Ort. Denn auch auf dem Malerweg kann man – wie damals im Harz – Stempel sammeln. In Wehlen bekommt man den Stempel entweder in der Kirche oder in der Touristeninformation. Leider darf in beides der Theo nicht mir rein und so bleiben wir heute erstmal ohne Stempel. Aber bei einem wirklich tollen, kleinen Imbiss holen wir uns ne Pizza und ein eiskaltes Radler. Oh man, wie das nach so einem Tag schmeckt.

Ob es heute ein schöner Tag war? Irgendwie schon. Die Strecke war gut zu laufen und auch nicht zu anstrengend. Und trotzdem bin ich irgendwie unruhig. Noch nicht richtig angekommen. Ich hab das Gefühl wir sind viel zu schnell unterwegs gewesen. Sicher, das lag auch am Wetter. Aber es lag auch an meiner inneren Unruhe – ich sehe das an meinen Fotos von unterwegs. Die sind teilweise echt verwackelt. So als hätte ich keine Zeit, um in Ruhe den Auslöser zu drücken. Und auch jetzt kreisen meine Gedanken vor allem darum, dass ich morgen organisatorisch alles auf die Reihe kriegen muss. Noch ist alles so ungewohnt. Wo hab ich nochmal die Creme hingepackt? In welcher Tasche stecken Theos Leckerchen und macht es wirklich Sinn, das Wandernavi am Rucksack zu befestigen. Immer noch viele Fragen, die meinen Kopf beschäftigen.

Erkenntnis des Tages: Auch innerliches Ankommen braucht seine Zeit!

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